Motoröl - eine grundsätzliche Betrachtung

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In diversen Beiträgen findet man immer wieder Meinungen, die einen vorzeitigen Ölwechsel vorschlagen. Beispielsweise vor dem Einwintern (ohne Rücksicht auf vorgeschriebene Fälligkeit) oder bei den Kundendiensten 6000, 18000, 30000, ... km (die normalerweise keinen Ölwechsel vorsehen). Da das Öl sowohl Kosten, als auch Umweltbelastung verursacht (es muss schließlich mit gewissem Aufwand entsorgt werden), ist das Thema m.E. durchaus wert diskutiert zu werden.

Zuerst einmal die Aufgabe von Motoröl:

  • Schmierung der beweglichen/gleitenden/drehenden Teile im Motor. Dies geschieht durch Überführung der mechanischen Reibung in Flüssigkeitsreibung (innerhalb des Ölfilms). Deshalb darf der Ölfilm durch die ausreichende Bemessung (Konstruktion) des Ölkreislaufs und Auswahl des Öls mit den richtigen Eigenschaften niemals abreissen.
  • Kühlung des Motors von innen. Ja richtig gelesen! Es gibt sogar Motoren bei denen der Kolbenboden zur Wärmeabfuhr mit Öl bespritzt wird. Und beispielsweise die älteren Suzuki Banditen sind Luft-/Ölgekühlt. Echte Hochleistungs-Motoren (unser CBF 1000 Motor mit knapp 100 PS/l gehört bei den Motorradmotoren nicht dazu!) oder besagte Ölgekühlte haben einen eigenen Ölkühler, sonst reicht die Oberfläche der Ölwanne (die auch verrippt sein kann) um die vom Öl aufgenommene Wärme wieder abzugeben.
  • Reinigung des Motors. Da unser Öl innerhalb des Motors eigentlich überall hinkommt, ist es ideal zur Sauberhaltung geeignet. Dies geschieht durch Ausschwemmen und in der Schwebe halten von Schmutz, Ablagerungen und Abrieb. Diese Schwebeteile werden dem Ölsumpf (dem Öllager im Motor) und über die Ölpumpe dem Ölfilter zugeführt. Dort werden alle Partikel ab einer gewissen Größe ausgefiltert. Die verbleibenden kleineren Partikel bleiben in der Schwebe, färben das Öl dunkel (obwohl es durchaus noch recht frisch sein kann) und sind zu klein um ihrerseits mechanische Reibung zu verursachen.

Wo liegen die Probleme beim Motorrad:

  • Hohe mechanische Belastung durch gleichzeitige Schmierung des Getriebes. Dies ist besonders bei allen Motorrädern der Fall, die kein separates Getriebe haben. Durch die hohen Drücke an den Zahnflanken werden Molekülketten gequetscht und abgeschert, was unter anderem die Viskosität verändern kann.
  • Hohes Drehzahlniveau.
  • Zunehmende Ansammlung von Verbrennungsrückständen (über Zylinderwand und Kolbenringe) und sonstigem Schmutz und Abrieb. Führt zur Eindickung und je nach Art der Rückstände (z.B. Schwefelverbindungen) evt. zu zunehmender chemischer Aggressivität des Öls.

Was ist zu beachten:

  • Motoröl muss der vom Hersteller geforderten Spezifikation entsprechen.
  • Leichtlauföle und Ölzusätze (bzw. Öle mit herstellerseitigen Zusätzen z.B. MoS2) dürfen nicht verwendet werden, da sonst die Ölbadkupplung durchrutschen kann.
  • Autoöle sind - auch bei passender Spezifikation - wegen mangelnder Anpassung an die Belastung durch Getriebe und Nasskupplung grundsätzlich nicht geeignet.
  • Öle gleicher Spezifikation - selbst verschiedener Viskosität - sind fröhlich untereinander mischbar. Und wenn die Tankwarte und manche Mechaniker auch noch so oft das Gegenteil behaupten. Dies ist eine Grundanforderung innerhalb der Spezifikationen.

Meine Sicht der Dinge:

  • Alleine schon zur Erhaltung der Garantieansprüche halte ich die Wechselintervalle ein.
  • Ich verwende preisgünstiges teilsynthetisches Öl (Louis ca. 17 € / 4 l) mit der richtigen Spezifikation. Die Vorteile von vollsyntehischem Öl erschliessen sich mir nicht.
  • Ich wechsle kein Öl vorzeitig, da ich modernen Ölen ausreichende Alterungsstabilität (speziell über die Winterpause) zutraue. Dies würde ich erst bei einer längeren Stilllegung (mehrjährig) machen. Und die Schwarzschlamm-Thematik ist ab der antiquierten Spezifikation SF erledigt.
  • Ich verwende immer das gleiche Öl, um im (zugegeben unwahrscheinlichen) Fall eines Motorschadens gegebenenfalls treuherzig beim Ölhersteller wegen Schadensersatz anklopfen zu können.
  • Ich fahre bei meinem Motorrad den Motor immer sorgfältig warm und ausschließlich Langstrecken (mindestens 20 km). Dadurch wird stets Betriebstemperatur erreicht und kann auch keine Ölverdünnung durch Kondensatbildung entstehen.
  • Ich verwende als zusätzlichen Schutz vor Metallspänen eine magnetische Ölablassschraube.
  • Vorzeitigen Ölwechsel halte ich nur bei erschwerten Bedingungen (fast ausschliesslicher Kurzstreckenbetrieb, extremen Volllastanteil, besondere Umweltbedingungen z.B. Staub) für angezeigt.




Siehe auch: Wieviel Öl brauche ich bei einem Ölwechsel


Autor: HM1
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